Tamara Kirstätter - Life-Coaching

Der feine Unterschied zwischen Preis und Wert

Es ist eigentlich ein allgemeines Thema, nicht unbedingt nur für Selbstständige gedacht...dennoch halte ich ganz persönlich es für sehr wichtig, sich einmal damit auseinander zu setzen, auch wenn es vielleicht nur ein kurzer Blick über den Tellerrand bedeutet, aber der lohnt sich eventuell.

Wie oft sagt ihr am Tag...uih, das ist aber teuer...oder ...wie günstig ist das denn?

Ist ein 60.000€ Mercedes teuer? Eine 10.000 € Rolex? Eine Mallorca Reise für 500€ all inclusive für eine Woche günstig? Wonach richtet sich euer Gefühl von teuer und günstig?

Auch wenn es euch eventuell nicht bewusst ist....es hängt größtenteils damit zusammen, ob ihr es euch leisten könnt. Also ob ihr 60.000€ für ein Auto ausgeben könnt oder nicht? Für die meisten ist das was sie sich nicht leisten können ein Traum oder auch ein Ziel, dass es zu erreichen gilt. Gerade für Unternehmens-Starter ist Erfolg oft gleichbedeutend mit Reichtum...also der Möglichkeit, sich alle materiellen Wünsche zu erfüllen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden...wenn da nicht der kleine feine Unterschied wäre....zwischen Preis und Wert....zwischen Schein und Sein.

Mag sein, dass jetzt viele denken, da schmeißt sie was durcheinander...aber für mich hängt das zusammen.

Wenn wir von materiellen Dingen träumen neigen wir dazu, durch die rosarote Brille alles zu verherrlichen...fast als wären wir verliebt...unser Ziel ist es....so viel Geld zu verdienen, damit wir uns den Traum erfüllen können. So weit so gut...und wann denken wir darüber nach, ob der Mercedes tatsächlich die Mühen wert ist, die man aufbringen muss, um 60.000€ zu verdienen? Hat schon mal jemand ausgerechnet, wie viele Arbeitsstunden oder Produktverkäufe es braucht, bis das Ding bezahlt ist? Aber noch viel wichtiger...wer denkt darüber nach, ob dieses Auto die Anstrengung und damit den Preis WERT ist? Na klar ..ist doch ein Mercedes, der hat einen Prestige-Wert, das ist ein Status-Symbol...und der hat einen Wiederverkaufswert..blablabla...nette Ausreden, die wir ganz brav nachplappern ohne wirklich darüber nach zu denken. Denn wir bezahlen den Preis...egal ob Barkauf, Leasing oder Finanzierung....in den letzten beiden Fällen mit den Zinsen sogar noch mehr...aber was ist er wert? Für dich!

Ganz banal gesagt setzt sich der Preis aus den Produktionskosten und der Gewinnmarge zusammen. Bei Aktengesellschaften finde ich das in den meisten Fällen überteuert, da die Aktionäre jedes Jahr Gewinnsteigerungen verlangen, damit sie für ihr Geld(Aktien) noch mehr Geld bekommen, ohne was dafür zu tun.

So ist das System...aber ganz ehrlich...Geld verdient kein Geld...Arbeit verdient Geld, weshalb dieses System alle paar Jahre mit einem großen Crash alles ins Unglück stürzt, um dann wie Phönix aus der Asche aufzuerstehen und munter weiter zu machen bis zum nächsten Crash...aber das nur am Rande.

Zurück zum Preis des Mercedes (oder jedes anderen Statussymbols)...also bezahlt man mit den 60.000€ nicht nur das Material und die Arbeiter, die das Ding zusammengeschraubt haben...sondern natürlich auch die Aktionäre, den Vorstand, das Management...den ganzen Wasserkopf, der keinen Handschlag an dem Wagen getan hat, aber das zehnfache des Arbeiters kassiert, der den lebensrettenden Airbag eingebaut hat! Also wird der Preis im Grunde künstlich nach oben geschraubt, damit so viele Leute wie möglich an dem Ding verdienen...dann wird eine Marke erschaffen und man erzählt den potentiellen Käufern, wie unglaublich sich ihr Leben verändert, wenn sie nur 60.000€ dafür ausgeben...aber mal ehrlich...habt ihr schon mal den Preis am Ende eines Autowerbespots gesehen? Allerhöchstens eine Finanzierungsrate, um zu suggerieren...JEDER kann dieses Lebensgefühl erleben und jeder kann es sich leisten....sie verkaufen einen imaginären Wert zu einem überteuerten Preis? 

Ich will die Branche gar nicht schlecht machen, dass ist das System das wir uns geschaffen haben und in dem wir nun zurecht kommen müssen. 

Wir sollten aber öfter innehalten und uns klar machen, ist der Preis für das was ich hier kaufe auch in etwa der Wert des Produkts oder der Dienstleistung?

Es wird auch oft gesagt, dass man als Unternehmer auf seine Erscheinung achten muss...auf sein Auftreten...eine Rolex am Arm suggeriert Erfolg...wirklich?

Ganz ehrlich mache ich da kleine aber feine Unterschiede...jemand der die Ärmel hochkrempelt und demonstrativ sein Handgelenk jedem unter die Nase reibt...der hat entweder ein ziemliches Minderwertigkeitsproblem oder wohnt noch bei Mama, denn er hat sein ganzes Geld für den Anschein des Erfolgs ausgegeben und versucht nun, den Gewinn/die Ernte ...was auch immer ...einzufahren, damit er die Kosten für die Uhr schnell wieder rein bekommt.

Wenn die Uhr mal kurz mit dem Rand unterm Hemdsärmel rauslugt...der Träger ansonsten eher zurückhaltend mit seinem Handgelenk ist, dann hat er sich das Ding gegönnt...er hat sie für sich gekauft...sie gibt ihm ein gutes Gefühl...das kann ich respektieren.

Um aber auf das eigentliche Thema zurück zu kommen...warum ist die Rolex mehr wert als die Uhr vom Aldi? Ist sie das? es ist eine Uhr...sie zeigt die Zeit an. Was willst DU? Reicht es dir zu wissen wie spät es ist? Willst du ein Schmuckstück, dass dir sagt wie spät es ist? Willst du eine Kapitalanlage die dir sagt wie spät es ist oder ein Statussymbol damit andere sehen wie spät es ist?

Auch hier wieder...ich habe weder etwas gegen Rolex noch die Träger...ich gebe nur zu bedenken...die Materialien, aus denen sie gefertigt wurde zuzüglich der Produktionskosten sind meilenweit vom Preis entfernt, weil wir eine Luxusmarke geschaffen haben.

Ihr habt es wohl schon durchschaut...für Markenprodukte zahlt man nicht unbedingt deshalb mehr, weil sie besser sind, sondern weil sie eine Marke sind und die haben wir selbst erschaffen. Wir glorifizieren bestimmte Produkte zu Must Haves ...verknappen sie noch ein bißchen durch Limited Editions und bumm...alle geben ein wahnsinniges Geld aus...um sie zu besitzen.

Das hat mit dem Wert des Produktes nichts mehr zu tun...wir tappen in die Preisfalle...

Gleiches gilt im Übrigen auch für Gehälter...

Die meisten denken, sie bekommen nicht was sie verdienen (verstanden?)

Nur Wenige denken über ihren Wert in der Firma nach...was tun sie, um die Firma in die Gewinnzone zu bringen? wie beteiligen sie sich am Wachstum der Firma? Was kosten sie wirklich (Lohnnebenkosten, Urlaub, Krankheit) und was bringen sie ein? Es ist einfach zu sagen, ich nur 35 Stunden arbeiten aber vollen Lohnausgleich haben...bringst du dein Gehalt plus Lohnnebenkosten und Gewinn überhaupt ein?

Jetzt wieder zu den Selbstständigen...egal was sie tun oder verkaufen...sie müssen kalkulieren...sie müssen ihren Preis bestimmen...und gerade am Anfang, wenn man noch keine "Marke" ist...muss der Wert für den Käufer/Kunden mit dem Preis nahezu deckungsgleich sein, sonst bekommt man keinen Auftrag. Wenn man vor Kunden und Aufträgen nicht mehr gerade aus den Augen schauen kann, kann man sich Gedanken machen, das Preisniveau etwas anzuheben...aber der Wert für den Kunden muss immer da sein!

Ich hoffe das war jetzt nicht zu durcheinander...ich finde es wichtig gerade bei Gründern darauf hinzuweisen, nicht in diese Falle zu tappen. Es ist nichts dagegen einzuwenden...Marken zu kaufen oder zu wollen...aber gerade am Anfang sollte man den Unterschied zwischen Preis und Wert ein wenig im Auge behalten, da man schnell mal eine Entscheidung getroffen hat, für die man hinterher richtig bluten muss.

Also stellt euch die Frage...habe ich einen Mehrwert davon, wenn ich mir ein teures Auto kaufe? Bekomme ich dadurch wirklich mehr Aufträge? Kommen also meine Ausgaben für diese Anschaffung mindestens doppelt wieder rein (denn nur dann macht ihr Gewinn) und das aufgrund dieser Anschaffung? Wenn dem nicht so ist...wartet bis das viele Geld euch ein Loch in die Tasche brennt...und kauft dann

Komischerweise beobachte ich bei mir und vielen meiner Kunden, wir wollen viele Dinge gar nicht mehr, wenn wir endlich das Geld dafür zusammen haben...weil uns klar geworden ist, wie lange wie dafür gearbeitet haben und dann ist das Objekt der Begierde plötzlich gar nicht mehr begehrenswert.