Tamara Kirstätter - Life-Coaching

Freiheit oder Sicherheit?

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll, denn es ist nur eine Beobachtung...aber sie macht mich nachdenklich und auch etwas traurig. Da ich aber der Meinung bin, dass Existenzgründer durchaus auch diese Seite kennen lernen und bedenken sollten, habe ich mich entschlossen, ihn zu schreiben.

Vor kurzem hat eine gute Bekannte die Entscheidung getroffen, den Familienbetrieb zu schließen, den sie vor ein paar Jahren übernommen hatte. Zu den privaten Hintergründen kann und will ich gar nichts sagen...da ich aber auch eine Kundin war...und als Coach natürlich auch neugierig auf das Warum...fragte ich sie genau das.

Natürlich gibt es immer nicht nur einen Grund...aber für mich hörten sich die folgenden wie die Wichtigsten an:

  • Die ständig neuen behördlichen Auflagen sind für einen Kleinbetrieb kaum noch zu erbringen bzw. bezahlbar
  • Die Personalkosten sind einfach zu hoch
  • Der Umsatz ist zu stark schwankend
  • und ich muss auch an später denken

Egoistisch und arrogant wie ich bin, war mein erster Gedanke...WARUM hat sie mich nicht um Hilfe gebeten?

Wie schon gesagt, gab es auch private Gründe, die mich nichts angehen...aber nichts von dem oben genannten wäre ein Grund gewesen...aufzugeben...wenn sie ein wenig über den Tellerrand hinaus geschaut hätte. Ein paar kleine Veränderungen hätten die Große nichtig gemacht.

Aber bei der Überschrift, die ich für diesen Post gewählt habe, seid ihr sicher schon drauf gekommen, welcher Punkt mich am meisten geschockt hat...der Letzte...ich muss auch an später denken...OMG!

Ihr ahnt es sicher...sie ist zurück in ein Angestellten Verhältnis gegangen ...das vermeintlich sichere Gehalt und die sichere Krankenversicherung und die sichere Rente...da läuft es mir eiskalt den Rücken runter...dass wirklich noch jemand an dieses Schneeball-System glaubt ist mir schleierhaft...und ein Mädel in dem Alter...sie ist 28 !!!!!....das zieht mir echt die Schuhe aus.

Mir schießt gerade durch den Kopf, dass sie doch irgendwann einmal einen Traum gehabt haben muss...ein Ziel auf das hin gearbeitet hat...sie hat den Meisterbrief in ihrem Handwerk...sie stellte tolle Produkte in einer hervorragenden Qualität her...sie war einmal mit Herz und Seele dabei...und gab in einer schwierigen Zeit auf...was muss passieren, dass du alles aufgibst, wofür du gearbeitet hast? 

Okay...zurück zur vermeintlichen Sicherheit des Angestellten-Verhältnisses...ich gehe davon aus, dass sie Nachwuchsplanung betreibt...und denkt...mit einem Arbeitgeber, regelmäßigen Gehaltszahlungen, Mutterschaftsgeld, Elternzeit und was es nicht alles gibt...ist das Leben leichter...sie sagt, sie habe lange darüber nachgedacht...und es sei der richtige Weg...für mich als Gründercoach und eingefleischte Selbstständige ist das das blanke Grauen...

Und es macht mich traurig, dass sie nicht das Vertrauen in sich selbst hatte, was sie nun einem Arbeitgeber und dem Staat entgegenbringt.

Ich glaube was mich am meisten geschockt hat ist, dass sie die Freiheit des Unternehmertums gegen die Sicherheit des Systems eingetauscht hat...denn meiner Meinung nach ist das zum scheitern verurteilt.

Über kurz oder lang wird es das klassische Angestellten-Dasein nur noch in wenigen Branchen geben...es wird von Freiberuflern und Kleinunternehmern abgelöst werden...denn die Lohnnebenkosten in Deutschland machen uns weltweit nicht wirklich wettbewerbsfähig...und die Rente...nein das komplette Sozialsystem ist ein staatlich legalisiertes Schneeballsystem...das so langsam kollabiert, weil immer mehr Geld herausgenommen wird, ohne das Neues nach fließt...da muss man kein Mathematiker sein, um das zu verstehen....aber hinsehen muss man...und schlussfolgern muss man...und über den Tellerrand der nächsten 5 Jahre hinaussehen muss man...

Im Falle meiner Bekannten heißt das...wenn sie den Kinderwunsch bald umsetzt, wird sie den Vorteil der "Versorgung" durch das System sicher noch in Anspruch nehmen können....aber sie hat noch mindestens 40 (!) Jahre arbeiten im Hamsterrad vor sich, in denen sie um die Einzahlung in das bodenlose Fass Rentenversicherung nicht herum kommt, da die als Pflichtbeitrag direkt von ihrem Lohn abgezogen wird...wahrscheinlich wird es auch so sein, dass von ihrem Nettolohn nur wenig übrig bleibt, um noch eine adäquate private Vorsorge zu treffen...ich glaube es ist allen klar worauf ich hinaus will...

Die Aussage ...ich muss auch an später denken...wow....hier beißt sich die Katze mächtig in den Schwanz...

Bitte denkt nicht ich möchte auf ihr herumtrampeln oder sie schlecht machen...auf gar keinen Fall...ich mag sie wirklich sehr...und es macht mich sehr traurig, dass sie keine andere Möglichkeit sah, als diesen für mich unverständlichen Weg zu gehen...ich bin überzeugt ich hätte genug Ideen gehabt, um das Ruder herum zu reißen...aber vielleicht ergibt sich ja noch irgendwann die Chance...sie muss diesen Weg ja nicht für immer gehen...sie kann in Zukunft ja auch wieder eine Entscheidung für eine andere Richtung wählen...und ich hoffe wirklich...es geht für sie so aus, wie sie es sich vorstellt und wünscht! 

Ich muss nicht alles verstehen...aber ich kann es respektieren!