Tamara Kirstätter - Life-Coaching

Mythos 1% Regelung beim Firmenwagen

Ich weiß gar nicht wie oft ich von Existenzgründern (und leider auch von "altgedienten" Unternehmern) höre....und wenn es läuft kauf ich mir ein schönes neues Auto....das kann ich ja abschreiben...und ich muss ja einen guten Eindruck auf meine Kunden machen.

Ganz ehrlich, dabei läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. 

Als erstes sei gesagt, Eindruck macht man mit seiner Leistung, seiner Arbeit und nicht mit einer Sache...und schon gar nicht mit einer die einem nicht gehört, was bei Leasing und Finanzierung (Darlehen) der Fall ist. Nur weil ihr im Fahrzeugschein als Halter steht, seid ihr nicht der Besitzer...vergesst doch mal eure Rate zu bezahlen, dann merkt ihr wem der Wagen wirklich gehört.

Aber das nur am Rande....mit geht's um diese ominöse 1% Regelung, mit der das Fahrzeug "versteuert" werden muss....leider haben die meisten keine Ahnung was das bedeutet...die machen das einfach, weil der Steuerberater gesagt hat, wenn sie das nicht machen müssen sie Fahrtenbuch führen und dafür sind sie zu faul.

Ich versuche mal ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Die 1% Regelung bedeutet, dass 1% des BRUTTO-LISTEN-NEU-PREISES pro Monat als Privatanteil auf dein zu versteuerndes Einkommen drauf gerechnet wird.

Dafür werden alle Kosten des Fahrzeugs in der Firma zu 100% angesetzt, bedeutet gewinnmindernd verbucht...die Leasingrate (oder die Abschreibung) die Steuer, die Versicherung, die Benzinkosten, Reifen, Reparaturen etc.

Die wenigsten rechnen das aber wirklich gegen...weil es eben einfacher ist eine Pauschale anzusetzen...und da liegt der Knackpunkt...pauschalen sind nicht individuell...passen nicht auf jede Situation oder auf jeden Menschen.

ein Rechenbeispiel.

Dein Fahrzeug hat einen BLNP von 30.000€ ....dann hast du schon mal pauschal 300€ pro Monat zu versteuerndes Einkommen ...also 3.600€ im Jahr. Wenn die Kosten für die Nutzung des Fahrzeugs nicht über diesen 300€ monatlich liegen...hast du keinen positiven Effekt von dieser Regelung...denn dein Gewinn in der Firma verringert sich um weniger als dein zu versteuerndes Einkommen sich erhöht...also zahlst du drauf!

 

 

Ein weiterer Knackpunkt ist der Wert des Autos. Will man von der 1% Regelung wirklich was haben, MUSS man sich einen Neuwagen kaufen...denn nur dann haben BLNP und der Anschaffungspreis in etwa den gleichen Wert. Kauft man sich einen günstigeren Gebrauchtwagen, weil man Geld sparen will oder man hat beim Neuwagen gut verhandelt...wird das bei der 1% Regelung nicht belohnt. Beim Leasing ist das ein kleineres Problem, da die Leasingrate als Kosten voll angesetzt werden...bei einem Darlehen aber nicht, denn bei dieser Finanzierunsmethode wird das Fahrzeug über die Nutzungsdauer (AfA) abgeschrieben und zwar mit dem Anschaffungspreis! und das max. 5 Jahre (Alter des Fahrzeugs!)...darüber hinaus zahlen sie weiter die 1% aber haben keine "Kosten" mehr für die Abschreibung. Deshalb raten Steuerberater gern zum ständigen Neukauf eines Fahrzeugs oder natürlich zum beliebten Leasing.

Mal abgesehen davon, dass man etwas nutzt was einem nicht gehört und im Fall von Leasing auch nie gehören wird, hat man dauerhaft hohe Kosten.

Und wenn man etwas absetzen will, also gewinnmindernd geltend machen will...muss man erst mal Gewinne erzielen. Man baut sich also selbst eine Kostenfalle, der es ständig zu entrinnen gilt. 

Das ist für einen Start ins Unternehmerleben nicht unbedingt förderlich und kann ganz schön in die Hose gehen. Denn es braucht am Anfang nur wenig, was schiefgehen muss, damit man aus dieser Falle so schnell nicht wieder raus kommt. Und damit ist nicht nur die Anschaffung eines Autos gemeint.

Es ist nicht immer gut den einfachen Weg zu gehen, vor allem wenn man nicht weiß, ob es einen wirklichen Vorteil bringt...also immer die individuelle Situation im Kopf behalten...nicht die eine sofortige Wunscherfüllung macht langfristig erfolgreich, sondern kluge Entscheidungen erfüllen dauerhaft alle Wünsche...und bringen den Erfolg!